Lübben (Spreewald), 10.02.2026, 10:36 Uhr | BK | Quelle: Benjamin Kaiser

Lübben 2026: Klartext zur Haushaltslage
Und warum ich trotzdem nach vorn schaue

Lübben steht vor einer Haushaltslage, die man nicht mehr schönreden kann. Die Zahlen sind nicht nur „eng“, sie sind strukturell schwierig: steigende Ausgaben, wachsende Pflichtaufgaben, teurere Unterhaltung und gleichzeitig Einnahmen, die nicht im gleichen Tempo mitziehen. Wer jetzt so tut, als sei das ein kurzer Schauer, während längst der Himmel aufgerissen ist, macht es am Ende nur schlimmer.

Ja: Es wird Einschnitte geben. Und nein: Das macht niemand gern. Aber ein Haushalt ist kein Wunschzettel. Er ist die Bedienungsanleitung für Handlungsfähigkeit. Wenn wir sie verlieren, verliert die Stadt die Möglichkeit zu gestalten – und dann entscheidet nicht mehr Politik, sondern die Notlage.

Ich schreibe das bewusst selbstkritisch: Auch wir in der Kommunalpolitik müssen uns fragen, ob Warnzeichen früh genug ernst genommen wurden. Ob wir manchmal zu lange gehofft haben, dass sich Probleme irgendwie von allein lösen. Dieses „läuft schon“ war bequem – bis es nicht mehr lief.

Besonders sichtbar wird die Krise dort, wo freiwillige Aufgaben ins Spiel kommen: Kultur, Ehrenamt, Angebote für das Miteinander – und auch der Tourismus, der für Lübben wirtschaftlich und identitätsstiftend ist. Die Unruhe und die Debatten rund um Strukturen im Tourismus zeigen, wie schnell Vertrauen kippen kann, wenn finanzielle Entscheidungen hart auf reale Lebenswelten treffen.

Dabei gilt: Gespräche sind wichtig. Zuhören ist Pflicht. Aber ich stelle klar: Ich unterstütze Gesprächsrunden nicht vorbehaltlos. Denn Entscheidungen werden nicht an „Runden Tischen“ getroffen, sondern in der Stadtverordnetenversammlung – öffentlich, nachvollziehbar, demokratisch legitimiert. Ein Runder Tisch kann helfen, Fakten zu sortieren. Er darf aber nicht das Entscheidungszentrum ersetzen.

Was brauchen wir jetzt? Klarheit, Tempo und Prioritäten. Keine Nebelkerzen, keine Beruhigungspillen. Je länger wir zögern, desto teurer wird es. Sparen ist nicht automatisch schlecht – aber planlos sparen ist gefährlich. Wir müssen geordnet konsolidieren: Pflichtaufgaben sichern, Strukturen modernisieren und freiwillige Leistungen ehrlich diskutieren.

Und der Funke Hoffnung? Er ist kein Satz für den Schluss. Er ist ein Auftrag: Diese Krise kann ein Neustart sein, wenn wir sie richtig angehen. Wenn wir zusammenhalten – nicht im Sinne von „alles abnicken“, sondern im Sinne von „hart streiten, fair bleiben und dann gemeinsam entscheiden“. Dann geht Lübben aus dieser Phase nicht kleiner hervor, sondern klarer – und wieder handlungsfähig.

Du hast Hinweise oder Prioritäten (Jugend, Sport, Kultur, Tourismus, Infrastruktur)? Schreib mir. Nicht jede Idee wird umsetzbar sein – aber jede Perspektive hilft, bessere Entscheidungen zu treffen.