24.06.2019 19:17   
 
CDUPlus

Wissenschaft · Wirtschaft · Wohnen · Wasser - Wohlfühlen *** Brandenburgs jüngste Stadt gemeinsam gestalten!
15.02.2019, 09:50 Uhr Übersicht | Drucken
Fahren Senioren schlechter ?

Scheuer hat Recht - aber nur zum Teil

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer von der CSU lehnt verpflichtende Fahrtests für
ältere Autofahrer kategorisch ab.
"Aus der Unfallstatistik ergeben sich keine
Auffälligkeiten", sagt er. Statistisch gesehen stimmt das, sagt der Experte SiegfriedBrockmann. Aber nur, wenn man nicht genau hinsieht.
Bundesverkehrsminister Scheuer hat in einem Interview gesagt, "aus der Unfallstatistik ergeben sich keine Auffälligkeiten", die dafür sprächen,verpflichtende Fahrtests für ältere Autofahrer einzuführen. Stimmt das? Siegfried Brockmann: Ja, da hat er Recht. Und der ADAC, der dem Verkehrsminister bei diesem Thema zuverlässig sekundiert, hat auch Recht: Aus der Unfallstatistik ergeben sich keine Auffälligkeiten.
Aber?
Senioren sind in den Statistiken deshalb vergleichsweise unauffällig, weil die über 65-Jährigen gemeinsam betrachtet werden. In der Gruppe der 65- bis 75-Jährigen gibt es viele sehr gute Autofahrer, die das Ergebnis für die Senioren insgesamt positiv verzerren.Denn die Probleme von älteren Fahrern beginnen nicht mit 65, sondern mit 75.Dann hat Scheuer nicht Recht.Jedenfalls nicht für die Gruppe der über 75-Jährigen. Ein weiteres Problem mit der Statistik ist, dass die Zahl der Unfallverursacher häufig auf 100.000 Einwohner der Risikogruppe gerechnet wird. In der Wissenschaft ist das ein probates Mittel, weil mandamit eine Bezugsgröße hat. Das ist auf jeden Fall besser als die absolute Betrachtungder Unfallzahlen. Bei den Senioren funktioniert das aber nicht.Warum? In der Gruppe ab 75 fahren viele Frauen nicht. Sie haben keinen Führerschein oder haben das Fahren schon vor Jahren aufgegeben. Während unter den 18- bis 21-Jährigenetwa 80 Prozent Auto fahren, sind es unter den über 75-Jährigen nur 40 Prozent. Dadurchkommt man zu völlig falschen Ergebnissen, wenn man die Quoten der Unfallverursacherauf 100.000 Einwohner in diesen beiden Hochrisikogruppen vergleicht.

Gibt es einen sinnvolleren Maßstab?Die einzig richtige Risikobetrachtung ist das Verhältnis von Unfällen zu gefahrenenKilometern. Diese Statistik offenbart die ganze Brisanz des Themas. Da sind die Seniorennämlich genauso auffällig wie die 18- bis 21-Jährigen.Mit dem Unterschied, dass junge Leute langsam aus der Hochrisikogruppeherauswachsen.Richtig. Bei den 18- bis 21-Jährigen wirken ganz andere Risikofaktoren: Unerfahrenheitund Risikogeneigtheit. Beides wird automatisch besser. Überspitzt gesagt: Je älter einAutofahrer wird, umso weniger neigt er dazu, den Max zu machen. Senioren habenProbleme, die mit dem Alter nicht ab-, sondern zunehmen.Welche Probleme sind das?Medizinische und motorische, vor allem aber kognitive Probleme, also das richtigeEinschätzen einer komplexen Situation und das Treffen der richtigen Entscheidung darin.Das wird im Alter tendenziell schlechter.Gibt es dazu Studien? Denn Scheuer begründet seine Ablehnung von Fahrtests jamit der angeblich fehlenden sachlichen Grundlage.Dazu gibt es massenhaft Studien. Aber natürlich treten diese Probleme nicht bei jedemgleichermaßen auf. Nur weil jemand 75 Jahre oder älter ist, muss er kein schlechterAutofahrer sein. Es ist allerdings immer wahrscheinlicher.Welche Probleme sind die gefährlichsten?Medizinische Defizite sind aus Sicht der Unfallstatistik nicht so dramatisch, weil sie in derRegel ausgeglichen werden können: Wer nur noch schlecht sehen kann, trägt eine Brille,für Herz-Rhythmus-Störungen gibt es Medikamente. Motorische und vor allem kognitiveEinschränkungen können mit Medikamenten oder Hilfsmitteln nicht ausgeglichen werden.Wären verpflichtende Tests für Senioren nicht diskriminierend?Die Probleme in dieser Gruppe sind statistisch so auffällig, dass Sondervorschriften keineAltersdiskriminierung wären. Für Fahranfänger gibt es ja auch den Führerschein aufProbe und die Null-Promille-Grenze.Scheuer sagt, er setze auf Eigenverantwortung. Kann man davon ausgehen, dassältere Autofahrer selbst merken, wenn ihre Sehfähigkeit oder gar ihre kognitiven Fähigkeiten abnehmen?
Nein, das ist ja ein schleichender Prozess. Bei Senioren kommt dazu: Je älter Menschenwerden, desto überzeugter sind sie von ihren Fähigkeiten. Deshalb traut sich meist auchkein Verwandter, was zu sagen. Ich setze ja auch auf Eigenverantwortung. Nur eben,nachdem der Senior sich die Wahrheit angehört hat.Also verpflichtende Fahrprüfungen ab 75?Fahrprüfungen mit dem Ziel, älteren Autofahrern gegebenenfalls die Fahrerlaubnisabzunehmen, sind wissenschaftlich nicht haltbar. Da bekämen wir zu viele Fehlurteile. Wirals Unfallforschung der Versicherer fordern nur eine verpflichtende Rückmeldefahrt. Wirwollen die Leute nur dazu zwingen, selbst zu erkennen, wo sie stehen. Mehr nicht.Warum plädieren Sie nicht dafür, dass einem Autofahrer, der bei einem solchen Testschlecht abschneidet, der Führerschein abgenommen wird?Wie gesagt, es gäbe zu viele Fehlurteile. Und es wäre auch nicht nötig. Umfragen zeigeneine hohe Zustimmung unter Senioren zu folgendem Satz: Wenn ich wüsste, dass ichmich und andere gefährde, würde ich nicht mehr Auto fahren. Zudem kommt es vor, dassein Autofahrer nur außerhalb seiner gewohnten Umgebung Probleme hat. Einem solchenFahrer müssen wir nicht den Führerschein abnehmen. Der muss nur wissen, dass er sichbitte auf die Strecken zum Arzt oder zum Einkaufen beschränkt und nicht auf die Ideekommt, mit dem Auto in den Urlaub zu fahren.Der 97-jährige Prinz Philip ist neulich einen Unfall verursacht. Gibt es ein Alter, indem definitiv Schluss sein sollte mit dem Autofahren?Eine klare Grenze gibt es nicht. Auch unter 90-Jährigen kann es noch gute Kraftfahrergeben. Bei 97-Jährigen dürfte der Prozentsatz gering sein. Es gibt allerdings nicht allzuviele Autofahrer in diesem Alter, so dass wir darauf verzichten können, uns um dieses Problem zu kümmern.





  Ältere Artikel finden Sie im Archiv.


Presselogin
Benutzer: Passwort:
Impressionen
Themen
Presseschau
Termine
Landesverband Berlin
Landesverband Brandenburg
CDU Landesverband
Berlin
CDU Landesverband
Brandenburg
Ticker der
CDU Deutschlands
Newsletter abonnieren
Bleiben Sie stets auf dem Laufenden!
Ihre E-Mail Adresse:

Datenschutzhinweis:
Die Speicherung Ihrer E-Mail Adresse für unseren Newsletter wird erst nach Ihrer expliziten Einwilligung auf der Folgeseite vorgenommen. Weitere Informationen zu unserem Newsletter finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
 
   
0.16 sec. | 16451 Visits